Die Weinprobe – ein mysteriöses Ritual?

Es ist noch kein Weinmeister vom Himmel gefallen. Wir haben ein paar Tipps für Novizen im Reben-Dschungel.

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Vielleicht warst du – als Wein-Neuling – schon mal bei einer Weinprobe dabei:

Wichtig dreinschauende Menschen halten voluminöse Gläser in der Hand.
Der Zeremonienmeister schenkt den ersten Wein aus einer sorgfältig verhüllten Flasche ein: ein Weißwein. Nach einem prüfenden Blick auf den Inhalt senken sich die Nasen in die Gläser und beginnen zu schnüffeln. Dabei entsteht auf den Gesichtern der Experten ein Ausdruck äußerster Konzentration, und tiefes Schweigen senkt sich über die Runde. Dann werden die Gläser geschwenkt, und wieder wird geschnüffelt.
Erst jetzt wird der erste Schluck genommen. Nun hebt ein großes Geschmatze und Geschlürfe an, manch einer scheint auf gar dem Wein herumzukauen. Schließlich senken sich die Köpfe und der Wein wird in ein – offenbar zu keinem anderen Zweck bereitgestelltes – Behältnis gespuckt.
Hat er den Testern nicht geschmeckt? Doch nun werden erste Stimmen laut:
„Ganz klar Chardonnay!“, meint der erste. „Mit viel Terroir – ich tippe auf Chablis“ der Zweite. Es entsteht eine lebhafte Diskussion, in der Begriffe wie „schöne Nase“, „Zitrus-Frucht“ und „typische Kalkstein-Mineralik“ durch die Luft fliegen, vermischt mit Jahrgängen und Namen von Weingütern.
Schließlich verebbt die Diskussion; der Zeremonienmeister enthüllt das Etikett: Tatsächlich ein Chablis, Domaine William Fèvre Jahrgang 2010!
Dieses Ritual wiederholt sich mit einer ganzen Reihe von Weinen. Nicht immer gelingt es den Testern, einen Wein genau zu bestimmen, doch insgesamt liegen sie doch erstaunlich oft richtig, wenigstens was Rebsorten und Anbaugebiete angeht.
Du  selbst hast wenig oder nichts gesagt und verlässt den Abend mit dem Gefühl, dass du zwar weiter gerne Wein trinken, aber niemals so viel Wissen darüber anhäufen wirst.

Nicht abschrecken lassen!

Doch das ist falsch. Weine zu verkosten und zu beurteilen kannst auch du lernen – vorausgesetzt, Wein ist für dich mehr als ein nettes Begleitgetränk für einen Abend mit Freunden. Wenn du fasziniert bist von der Vielfalt der Rebsorten, der Geschmackseindrücke und der unterschiedlichen Weinstile, wenn du schon mal ein Aha-Erlebnis hattest bei einer besonders gelungenen Kombination von Wein und Speise, dann bist du schon auf dem besten Wege, ein Wein-Kenner zu werden!

Das beste Verfahren, mehr über Wein zu lernen, besteht in der Tat in der sogenannten Blindverkostung.
„Blind“ bedeutet hier nicht, dass du die Weine mit verbunden Augen oder in einem stockdunklen Zimmer probierst, sondern dass – wie oben beschrieben – die Flaschen verhüllt und also die Etiketten nicht sichtbar sind. Dies kann durch den „Zeremonienmeister“ geschehen, der dann als einziger die Weine kennt – professionelle Wein-Degustationen  (heißt nichts anderes als Verkostung) werden meist so organisiert.

Weine zu Hause probieren – mit Freunden!

Für den „Hausgebrauch“ empfiehlt sich ein abgewandeltes Verfahren:
Sicher hast du Freunde und Bekannte, die genau wie du mehr über Wein wissen möchten. Verabrede dich doch einmal zu einer privaten Blindverkostung: Jeder Teilnehmer (oder Teilnehmerin) besorgt dazu eine Flasche Wein und bringt diese – natürlich verhüllt – zur Probe mit.
Weißweine sollten schon vorgekühlt sein (aber nicht eiskalt, und Rotweine nicht zu warm – 16°C sind völlig ausreichend).
Der Gastgeber stellt Gläser und ein Gefäß zum Ausspucken bereit. Die Gläser sollten frisch gespült sein – Gläsern, die gerade erst einem Karton entnommen wurden, haftet der Geruch des Kartons an (ausprobieren!). Falls du nicht einschätzen kannst, ob „Dein“ Wein eher leicht oder schwer ist, erkundige dich beim Händler oder recherchiere die nötigen Infos im Netz. Außerdem benötigst du reichlich stilles Tafelwasser, denn Kohlensäure verfälscht den Geschmack des nachfolgenden Weines. Brot ist erlaubt, Käse, Weintrauben oder andere geschmacksintensive Beigaben hingegen tabu – der gleiche Wein schmeckt im Kontext verschiedener Speisen völlig anders!

So wird’s gemacht: Weine richtig verkosten

Drei einfache Grundregeln für die Verkostungsreihenfolge:

  1. Leichte Weine vor schweren
  2. Weißwein vor Rotwein
  3. Trocken vor süß

Anhand dieser Regeln und der Informationen, die jeder über „seinen“ Wein mitgebracht hat, legst du die Reihenfolge der Verkostung fest – natürlich ohne zu viel zu verraten – und schon kann`s losgehen!

Das Verfahren der Verkostung eines Weines ist stets das gleiche, und jeder Schritt darin hat einen bestimmten Sinn, weshalb du diese Reihenfolge unbedingt einhalten solltest:

Erst mal schauen: Wie sieht der Wein aus ?

Betrachte den Wein zunächst durch das schräg gehaltene Glas vor einem weißen Hintergrund – die Beleuchtung sollte nicht schummerig sein. Schon das Aussehen eines Weines liefert Informationen über mögliche Rebsorten und das Alter des Weines: So tendiert etwa Chardonnay farblich oft in eine (blass)goldene Richtung;  junge Rotweine zeigen an der Glaswandung meist violette Farbtöne, während reife Rotweine ins Ziegel- bis Orangerot tendieren.
Mit zunehmender Erfahrung wirst du lernen, bereits aus dem Aussehen des Weines eine erste Einschätzung zu gewinnen.

Zum Zweiten: Die „erste Nase“

Nun folgt die sogenannte „erste Nase“: es wird am unbewegten Glas gerochen; d.h. das Glas sollte noch nicht geschwenkt worden sein. Atme zunächst aus und dann mit der Nase im Glas wieder ein. Das Schließen der Augen hilft dabei, sich ganz auf den Wein zu konzentrieren. Lass deinen Assoziationen freien Lauf: Kannst du bestimmte Früchte „herausriechen“? Viele Rebsorten haben typische Fruchtaromen; so findest du beim Riesling etwa Pfirsich und Aprikose.

Zum Dritten: Die „zweite Nase“

Die „zweite Nase“: Schwenke nun zunächst das Glas, bevor du erneut riechst. Der Wein überzieht nun die Innenwand des Glases mit einem dünnen Film, und weitere Duftkomponenten treten in den Innenraum über. Der Sinn dieses Verfahrens besteht darin, dass die Moleküle, die wir als Aromen wahrnehmen, von unterschiedlicher Größe (und also verschiedenem) Gewicht sind – schwenkt man also das Glas schon vor der ersten Nase, besteht die Gefahr, dass die schwereren Aromen die leichteren überdecken.
Achte darauf, ob du weitere Aromen entdeckst: das können z.B. Röstaromen vom Ausbau des Weines in neuen Holzfässern sein: Vanille, Karamell, Kaffee und dunkle Schokolade gehören in diese Kategorie. Schwieriger aufzuspüren sind die mineralischen Komponenten, die Anhaltspunkte dafür liefern können, auf welchem Boden der Wein gewachsen ist.
Wenn du einmal in einem Weinberg an der Mosel bist, nimm ein Stück Schiefer und riechen daran – das mag komisch klingen, und doch wirst du mit der Zeit den typischen Moselschiefer auch in den Weinen der Mosel wiederfinden. Die Weinrebe ist eine Pflanze von enormer Vitalität und Wuchskraft; nicht selten treibt sie ihre Wurzeln mehr als 10 Meter tief in den Boden. Aus dem Boden zieht die Rebe mit dem Wasser auch zahlreiche Mineralstoffe, die den Wein aromatisch beeinflussen können. Nur aufgrund dieser mineralischen Komponenten ist es überhaupt möglich, im Extremfall einen Wein einem ganz bestimmten Weinberg oder einer Lage zuzuordnen.

Jetzt aber – nein, nicht schlucken!

Nun endlich ist es soweit: Du nimmst einen Schluck des Weines in den Mund.
Achte nun auf die verschiedenen Eindrücke, die der Wein auf der Zunge hervorruft: die Süße der Frucht, die (oft) auch bei völlig trockenen Weinen merkbar ist (wenn auch nicht alle Weine „fruchtig“ sind); die Säure, die dem Weine seine Frische und Lebhaftigkeit gibt, und besonders auf ihr Verhältnis: Stimmt die Balance zwischen Süße und Säure, oder dominiert eine der beiden Komponenten den Wein?
Lass den Wein im Mund „herumrollen“, um alle Geschmacksknospen mit ihm in Kontakt zu bringen. Versuche unbedingt, Luft in den Mund zu ziehen!  Das klappt am besten mit geschlossenen Zähnen – Lippen leicht öffnen und sofort Luft einsaugen  – das Schlürfgeräusch ist im Rahmen einer Weinverkostung absolut statthaft, und der Effekt ist eindrucksvoll: Durch den zusätzlichen Sauerstoff blüht die Aromatik des Weines geradezu im Mund auf. Die Aromenkomponenten des Weines steigen nun in den Nasen-Rachen-Raum – dies ist die „dritte Nase“. Wein kann nach praktisch allem riechen; und die Nase liefert uns ohnehin weitaus mehr Informationen über den Wein: Teer (ja genau – Straßenbau!) und welke Rosen sind typisch für reife Barolos und Barbarescos; und die Rebsorte Sauvignon blanc ist berüchtigt für eine Nuance von Katzenpipi…

Achte nun auf den Gesamteindruck, den der Wein dir bietet!
Besonders bei kraftvollen Rotweinen kommen auch Tannine oder Gerbstoffe ins Spiel, die sich im Mund als adstringierendes (zusammenziehendes) oder austrocknendes Gefühl bemerkbar machen – Tannine sind also zunächst eher ein taktiler als ein geschmacklicher Eindruck. Tannine können allerdings auch als „grün“ (unreif) oder bitter empfunden werden, was Rückschlüsse auf ungenügende Reife des Lesegutes ermöglicht; oder, bei reifen, als „weich“ empfundenen Gerbstoffen, auf einen guten Jahrgang und einen bereits reiferen Wein hindeuten.
Hast du alle Aromen des Weines wahrgenommen, spuckst du den Wein in das bereitgestellte Behältnis. Es mag dir als Verschwendung vorkommen, doch der Sinn einer Weinprobe ist eben ein anderer als der eines Trinkgelages, und ein steigender Alkoholpegel wirkt sich negativ auf deine sensorischen Fähigkeiten aus…
Zum Schluss der Probe, wenn gewöhnlich die hochwertigsten Weine gereicht werden, ist natürlich auch das eine oder andere Schlückchen erlaubt!

Rieche nun noch einmal am geleerten Glas und überprüfe noch einmal deine Eindrücke – dies ist die „vierte Nase“.

Du gewinnst doppelt: Mehr wissen und mehr Spaß am Wein!

Während der gesamten Verkostung sollten alle Teilnehmer sich Notizen zu jedem Wein machen.
Natürlich ist es erlaubt, über die einzelnen Weine zu sprechen – äußere deine Eindrücke ganz unbefangen – um „richtig“ oder „falsch“ geht  es zunächst ohnehin nicht. Der jeweilige „Weinpate“, also der- oder diejenige, welche(r)  den Wein mitgebracht hat, ist davon natürlich immer ausgeschlossen. Versuche zunächst, die Rebsorte zu bestimmen – dies ist in aller Regel am einfachsten und gelingt auch Anfängern mit etwas Erfahrung bei vielen Rebsorten mit charakteristischer Aromatik recht gut. Haben alle ihre Einschätzung abgegeben, wird die Flasche enthüllt.
Mach dir nichts daraus, wenn du danebenliegst – das passiert auch den Profis immer wieder!

Der große Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Konzentration, mit der du die Weine bewusst riechst und schmeckst – daraus resultiert letztlich der Lerneffekt! Durch bewusstes Verkosten gewöhnst du dir an, Weine analytisch zu beurteilen, sie also in einzelne Komponenten aufzuschlüsseln und die gewonnenen Eindrücke im Gedächtnis abzuspeichern. Bei regelmäßigem „Training“ wirst du bald feststellen, dass du Aromen wiedererkennst. Natürlich kannst du im Rahmen der Probe auch Literatur zu Rate ziehen; Deine persönlichen Eindrücke sollten jedoch gerade bei Einsteigern im Vordergrund stehen.

Die Freude am Wein als einem Kulturgut wächst mit dem Wissen darüber, und gibt es eine vergnüglichere Art des Lernens als eine Weinprobe?
Springlane wünscht dir viel Vergnügen auf deinen spannenden Entdeckungsreisen in die faszinierende Welt des Weines!

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